Ein großer Kürbis namens Verfassung

Was umfasst über 300 Seiten, besteht aus rund 70.000 Wörtern und gleicht einem ausgehöhlten Kürbis? – Es könnte von der EU-Verfassung die Rede sein, so Manfried Welan von der Universität für Bodenkultur. Einen Nachmittag lang erklärte der Universitätsprofessor vom Institut für Wirtschaft, Politik und Recht den Teilnehmern des Studentenkurses der KMA Grundsätzliches zum Thema Verfassung: „Die Verfassung ist eine Summe von Spielregeln, die sagen, wer wie regiert.“ Dass dabei ein Interpretationsspielraum bleibt, daraus machte Welan kein Geheimnis.

Die österreichische Verfassung lasse noch ganz andere Fragen offen, so Welan: „Theoretisch muss eine Regierung nach einer Legislaturperiode nicht abtreten, sondern nur der Nationalrat. Was mit der Regierung geschieht, wird in der Verfassung nämlich nicht geregelt.“ Für Journalisten hält er – zumindest was Verfassungsfragen betrifft – anstelle eines Know-hows ein Know-whom für viel bedeutender. „Wichtig ist, dass man Leute kennt, die man fragen kann, denn alles kann man nicht aus dem Internet herauslesen“, sagte Welan.

Welan, der auch als Autor tätig ist, beweist selbst Talent beim Aufsetzen von Gesetzen. 17 Artikel hat die Verfassung, die er für die Bundeshauptstadt Wien geschrieben hat. Sollte es einmal zu einer Volksabstimmung über das Inkrafttreten dieses Gesetzestextes kommen, ist ihm der Sieg fast schon gewiss. Denn Artikel wie „In Ruah lassen. Ruah geb’n. Mei Ruah wül i hom“, „Durch’s Red’n kumman d’Leut z’samm. Mir wer’n kan Richter brauchen“ und „A echter Wiener geht net unter“ dürften auf größere Zustimmung stoßen als die EU-Verfassung.