Tage der Wahrheit

Der Begriff der Wahrheit spielte im Juni-Seminar des Studentenkurses eine große Rolle. Inhalte des letzten Seminarblocks vor den Sommerferien waren die Umsetzung von kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit und die rechtliche Situation im Mediensektor. Sowohl für Journalisten als auch für PR-Manager ist Ehrlichkeit unerlässlich. Weiters war die Politik-Journalistin Anneliese Rohrer zu Gast und sprach mit den 14 Teilnehmern über den Umgang von Politikern mit Wahrheit.

Pfarrblatt als Publikumserfolg

Matthias Kapeller, Pressesprecher der Diözese Gurk-Klagenfurt, wies die Teilnehmer darauf hin, dass eines der meistgelesenen Medien in Österreich von der katholischen Kirche stammt – nämlich das Pfarrblatt. Einen ganzen Tag lang stand kirchliche Pressearbeit in Theorie und Praxis auf dem Programm. Für die Studenten bedeutete dies ein Umdenken – die Informationen mussten dieses Mal nicht nur für Leser und Hörer ansprechend aufbereitet werden, sondern auch Journalisten wurden zum erwünschten Publikum.

Als Übungsbeispiel ließ Kapeller die Teilnehmer in mehreren Teams gegeneinander antreten und eine PR-Kampagne entwerfen. Aufgabenstellung war es, das Bewusstsein der Bevölkerung für die katholische Kirche zu stärken. Im Anschluss daran wurde gemeinsam analysiert, was in den einzelnen Entwürfen besonders gelungen war und wo die Schwachstellen lagen. Abschließend zeigte Kapeller, wie er eine solche Kampagne in der Diözese Gurk-Klagenfurt umgesetzt hatte.

Politischer Journalismus

Das Gespräch mit Anneliese Rohrer drehte sich um politischen Journalismus und die aktuelle Arbeitssituation von Journalisten. Die Expertin sprach über ihr 2005 erschienenes Buch „Charakterfehler – die Österreicher & ihre Politiker“ und erzählte, welche Erfahrungen sie in den vergangenen 30 Jahren gemacht hatte. Politikern kreidet sie vor allem Unehrlichkeit an, die eine Beleidigung für einen mündigen Bürger darstelle. Außerdem gab sie zu, dass sie mit einigen politischen Ereignissen der vergangenen Jahre heute etwas anders umgehen würde.

Einsteiger müssten, so die erfahrene Journalistin, vor allem Seriosität, Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Kompetenz in den journalistischen Beruf mitbringen. Sie riet, trotz der derzeit oft schweren Arbeitsbedingungen kritisch zu bleiben und nur Fakten zu veröffentlichen, die gut recherchiert sind und von deren Richtigkeit man selbst überzeugt ist.

"Die Tatsachen sind heilig"

Derselben Ansicht wie Rohrer war auch der ehemalige ORF-Generalsekretär und Intendant des ORF-Landesstudios Niederösterreich Paul Twaroch: „Die Meinung ist frei, aber die Tatsachen sind heilig“, so lautete eines seiner Credos. Nach einer Einführung in die österreichische Medienlandschaft erklärte er die Grundlagen des österreichischen Medienrechts und des ORF-Gesetzes. Twaroch appellierte an die Jungjournalisten, mehr an die Hörer und Leser zu denken: „Die Rezipienten, die das glauben, was in den Medien steht, haben es verdient, dass das, was geschrieben oder gesendet wird, auch stimmt.“